| Nei
Kung - Die Kunst der Inneren Kraft
Nei Kung ist eine philosophische Kampfkunst
tibetisch-chinesischen Ursprungs. In China wurde es öffentlich
bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. unterrichtet. Nach dieser
Zeit wurde es nur noch vertraulich und selektiv weitergegeben;
erst vor relativ kurzer Zeit wurde wieder begonnen, es öffentlich
zu unterrichten.
Sein mythischer Ursprung geht auf Tibet zurück, und
zwar auf die Lehren der Rigden-Meister, und in China auf
den Gelben Kaiser und die Lehren des I Ging.
Historisch gesehen gibt es drei Quellen:
1. Taoismus: Auf dem Meister Chuan Cin Hi, der sein Wissen
durch den Meister Lü Yen weitergab.
2. Konfuzianismus: Auf die Lehren des Meisters Konfuzius
bezüglich des Pa Kua, die vom Meister Liu Hua Yang
weitergegeben worden sind.
3. Buddhismus: Über den Meister Tamo (Bodhidharma,
der in China als Da Mo oder Tamo bekannt war), der seine
Lehren in Shaolin vermittelte.
Im Jahr 1973 lernte Michel Echenique Isasa,
der Soke (Gründer) des Stils in seiner gegenwärtigen
Form, den Shaolin-Meister Cheng King Chuan kennen, der den
Grad eines 2. Drachen des Shaolin innehatte, und den Meister
Tilak aus Tibet. Meister Cheng lehrte Michel 10 Jahre lang
einen internen Stil des Klosters, der als Nei Kung bekannt
war. Gleichzeitig bat er ihn, den Stil an die heutige Zeit
und an die westliche Mentaliät anzupassen, bevor er
ihn öffentlich zu lehren begann. Meister Tilak lehrte
ihn das System des Tumo, das auch als Innere Wärme
bekannt war, und er zeigte ihm auch, wie es in das Nei Kung
zu integrieren war. In dieser Zeit war Michel bereits 4.
Dan im Kempo der I.K.K.S und 3. Dan im Taekwondo des Meisters
Chon Kiu Li.
Im Jahr 1980 zog sich Michel von allen internationalen Verbänden
zurück, und begann mit einer kleinen Gruppe von Helfern
die Arbeit der Anpassung des Nei Kung an die Anforderungen
der heutigen Zeit. Im Jahr 1984 wurde das Nei Kung neu gegründet
und seine Verbreitung konnte beginnen. Michel und diese
kleine Gruppe von Helfern (Carlos Pagaini, Daniel Salinas,
Carlos Villablanca, Talal Husseini und George Guimares)
entschieden sich, den Stil über das Internationale
Institut für Philosophische Kampfkünste Bodhidharma
zu verbreiten. Gegenwärtig gibt es den Stil in 15 Ländern.
Das internationale Archiv des Instituts hat bis dato 79
Schwarzgurte des Nei Kung als internationale Instruktoren
registriert, die zusammen mit ihren jeweiligen Gruppen über
280 Schwarzgurte zählen, die diesen Stil unterrichten.
Wie schon anfangs erwähnt, ist das Nei Kung –
historisch gesehen – eine Innere Schule der Philosophischen
Kampfkünste, die es in China bis zum 3. Jahrhundert
gab und die in dieser Epoche aus der Öffentlichkeit
verschwand, ohne Spuren oder Nachfolger zu hinterlassen.
Aber wie bei allen internen Schulen hat ihr Geist und ihr
Wissen bis in unsere Tage überdauert, und zwar über
einen halböffentlichen Weg, der auf eine reduzierte
Anzahl von Meistern und Schülern beschränkt war.
Die traditionellen Kampfkünste waren und sind eine
Lebensart, in der das bestimmende Element ein Zustand des
dynamischen Gleichgewichts zwischen unserer eigenen Natur
und dem Rest des Universums ist. Im Nei Kung legt man großes
Gewicht auf die Innere Kraft, die man mit einem geschulten
Verstand, einem ausgeglichenen Gefühlsbereich und einem
ruhigen Geist erreicht; Elemente, die jeder Mensch in Potenz
zur Verfügung hat. Es kommt nur darauf an, sie auch
anwendbar zu machen.
Das Nei Kung besteht aus einem umfassenden technischen Teil,
der viele Systeme integriert. Die Technik ist in diesem
philosophischen System jedoch eher ein Mittel zum Zweck,
da es vor allem darum geht, das Temperament im Menschen,
seinen ungezügelten und wilden Teil, in Charakter zu
verwandeln, also zu kultivieren. Das Mittel dazu ist eben
die Technik, und daher ist jede Technik Ausdruck einer entsprechenden
Idee bzw. Erfahrungsmöglichkeit.
Neben der Technik enthält das Nei Kung auch eine philosophische
Ausbildung sowie die Anwendung der Philosophie der Kampfkünste,
wie etwa die Lehre des Zentrums, der fünf Elemente,
des Inneren Kriegers, usw. im täglichen Leben. Im Nei
Kung wird die Technik als das Ergebnis dieser Anwendung
verstanden.
Aus dieser Form heraus kann man zu einem besseren Verständnis
des Universums kommen, des Makro- sowie des Mikrokosmos
und kann damit die bekannten Rivalitäten zwischen den
unzähligen Stilrichtungen der Kampfkünste beiseite
lassen, denn sie alle sind nichts anderes als vielfältige
Ausdrucksformen des Do, des Weges der Kriegkünste,
die – wenn sie mit philosophischem Geist geübt
werden – zum selben Ziel führen. Wie in den alten
Kriegskünsten ist auch im Nei Kung das Ziel der Edle
Mensch, der bereit ist, sich uneigennützig in der Welt
einzubringen, wann immer und wo immer er gebraucht wird.
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